Video- und Filmprogramm zur Ausstellung



Sehnsucht Berlin
Film zu „Beyond the Wall“
Dokumentarfilm von Peter Zach
2007, 60 min, OmU „Sehnsucht Berlin“ zeichnet das Portrait einer Stadt aus dem Blickwinkel der Künstler – ein Dokumentarfilm mit Interviews von „Berlinern auf Zeit“, mit Durchreisenden und Hiergebliebenen, über ihr Leben und Arbeiten und ihr ganz persönliches Berlin. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und das Berliner Künstlerprogramm des DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Eine Jana Cisar Filmproduktion in Zusammenarbeit mit PZF-Produktion.



Alle Arbeiten aus der Sammlung des Video-Zentrums des
Neuen Berliner Kunstvereins (nbk)
Durch das Künstlerprogramm des DAAD kamen seit den frühen 70er Jahren verstärkt international erfolgreiche und wichtige Künstler nach Berlin, die in dem damals noch neuen und avantgardistischen Medium Video arbeiteten. Sie fanden in dem Videoforum des Neuen Berliner Kunstvereins (nbk), das 1972 als Videothek gegründet wurde und 1985 in Videoforum umbenannt wurde, eine befruchtende Anlaufstelle und einen wichtigen Kooperationspartner. Die Geburtsstunde der Videokunst war 1963 in Wuppertal mit Nam June Paik und Wolf Vostell, doch gab es in diesen frühen Jahren noch enorme Unterschiede in der technischen Ausstattung zwischen Europa und Deutschland. Umso mutiger war es, sich diesem Medium zu verschreiben. So war der nbk die erste Einrichtung dieser Art in der Bundesrepublik und West-Berlin. Die umfangreiche Sammlung, besonders der frühen Jahre, ist ein sprechendes Zeugnis dieser Anfangsjahre, als Videokunst noch um seinen Platz im allgemeinen Kunstkanon kämpfen musste. Vor allem die große Gemeinde der Fluxus- und Happeningkünstler in Berlin, die sich durch die DAAD-Gäste ungeheuer internationalisierte, entwickelte zahlreiche und bis heute nachwirkende Aktivitäten in den Grenzbereichen zwischen den Gattungen Musik, Bildende Kunst, Literatur, Tanz und Theater. Das Netzwerk der Künstler war dank der Reisefreudigkeit, dem Einsatz geringer und preiswerter Materialien und der offenen Struktur dieser Kunstrichtung umfassend. Die Direktheit und Einfachheit der Aufzeichnungsmöglichkeiten mit der Videokamera übte deshalb große Faszination auf die Künstler aus und eröffnete mit Fortschreiten der technischen Möglichkeiten auch künstlerisch immer größere Freiheiten. Die Videokamera der 70er Jahre spielte für die Dokumentation der Aktionen eine große Rolle. Aus dieser Zeit stammen viele wichtige und wegweisende Arbeiten auf tapes in der Sammlung des nbk. Die Sammlung schreibt damit im Rahmen der vorhandenen Mittel auch eine kleine Geschichte der Medienkunst. Sie nahm ihren Anfang, als der Glaube an den Schein der Dinge erschüttert war, als bildende, musizierende und schreibende Künste nicht mehr getrennt arbeiteten und fließende Übergänge ein kreatives Potenzial freisetzten, mit dem auch das Bewusstsein für die banalsten Dinge und Veränderungen geschärft wurde. Ein wichtiger Schritt war die Verringerung der Kluft zwischen Zuschauer und Akteuren. Mit der neuen Technik konnte Gleichzeitigkeit von Aktion und Handlung sichtbar gemacht werden. Für die Ausstellung ist eine kleine Auswahl zusammengestellt worden, die einen guten Einblick in die wegweisenden künstlerischen Experimente der Zeit bietet:


Peter Campus
1937 geboren in New York/USA

R-G-B 1974, 11.30 Min.
Three Transitions 1973, 4.43 Min.
Set of Co-Incidence 1974, 14.30 Min.

Peter Campus gehört zu den Pionieren der Videokunst. Sein Thema ist die Erforschung des eigenen Selbst, er sucht das Selbstbildnis und sein Doppelgängermotiv. Er tritt selbst in seinen Videos in Erscheinung und nutzt die vor mehr als dreißig Jahren im Entwicklungsstadium befindliche Technik des Videobildes, wie z. B. Überblendungsverfahren, um die Differenz von Selbst und Körper zu erkunden. Die Frage nach der Realität des Abbildes führte zu diesem einflussreichen Werk.
„Three Transitions“ fehlt in kaum einer Anthologie über internationale Entwicklungen der Videokunst. Die Arbeit besteht aus drei kurzen Szenen.
Erste „Transition“: Campus schneidet durch einen aufgespannten Bogen Papier, auf dem das Abbild seiner Figur von hinten projiziert wird, das ihn selbst bei eben dieser Handlung zeigt. Er geht durch sich selbst in einen anderen Raum, man sieht in der Überblendung das Verschwinden und zugleich das Hervorkriechen des Akteurs.
Zweite „Transition“: Campus malt sich im Lauf der Aufzeichnung eine spiegelnde Maske auf sein Gesicht, das partiell unter dieser verschwindet, während ein weiteres Spiegelbild erscheint.
Dritte „Transition“: Campus schaut in den Spiegel, und ein Feuer verbrennt allmählich das Abbild des Künstlers.
„Set of Co-Incidence“ zeigt Campus sitzend in einem bühnenartig gestalteten Raum.. Es folgen weitere Chimären, stehend, schauend usw. Die Figur des Künstlers ist hier multipler Akteur seiner selbst.
Mit „R-G-B“ ist ein Video entstanden, das die spezifischen Charakteristika der Videotechnologie zum Thema macht. In verschiedenen Versuchsanordnungen zeigt Campus, wie Lichtfarben sich addieren und neue Farbtöne erzeugen.


Terry Fox
1943 geboren in Seattle/USA

The Childrens Tape 1974, 30 Min.

Terry Fox zählt zu den Künstlern, die in den 60er und 70er Jahren in radikaler Abkehr von traditionellen Kunstformen neue künstlerische prozessuale Ausdrucksmittel suchten. Er beschäftigt sich intensiv mit den akustischen Eigenschaften von Dingen und Räumen, die er für seine Aktionen nutzt. Mit den selbstgestalteten Klanginstrumenten untersucht Fox elementare Lebensäußerungen.
“The Childrens Tape” beinhaltet 34 höchst spannende und unterhaltsame Filme für seinen kleinen Sohn, in denen mit immer gleichen einfachen Elementen- Löffel, Gabel, Schüssel, Wasser, Kerzen etc.- verblüffende physikalische Phänomene, Experimente und Tricks gezeigt werden. Die s/w-Filmepisoden haben keinen Ton, sind aber voller Spannung, weil man auf die Pointe der demonstrierten Prozesse, das jeweilige „Ereignis“, wartet, und man glaubt es auch zu hören.


Allan Kaprow
1927 geboren in Atlantic City, New Jersey/USA
2006 gestorben

Time Pieces, 1973, 47 Min.

Allan Kaprow gilt als einer der progressivsten Künstler des 20. Jahrhunderts und als Begründer des Happenings. 1959 vollzog Kaprow als erster Künstler künstlerische Aktionen, in der alle Materialen des täglichen Lebens zur Anwendung gelangen, in die das Publikum einbezogen war. Das Happening bedarf nicht mehr eines künstlichen oder musealen Umfeldes, sondern ist im alltäglichen Leben selbst angesiedelt. Nicht passives Zuschauen, sondern aktive Teilnahme ist ein Hauptmerkmal dieser Kunstform. Die Mitwirkenden agieren anhand von Scores, sogenannten Handlungsanleitungen, die Kaprow mal poetisch, mal detailliert beschrieb. Die Vergänglichkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des Happenings. Es sind nur noch wenige Spuren der Arbeiten Kaprows erhalten, hauptsächlich als Fotografien, Filmaufnahmen und Beschreibungen der damaligen Teilnehmer und Mitspieler.
Es geht in „Time Pieces“, um das Vermitteln von Zeit durch Pulsschläge und Atemzüge, um Wahrnehmen von Zeit als relativer Größe, aber auch um die Erfahrung des menschlichen Kontaktes beim gegenseitigen Pulsmessen oder Fühlen des Atmens. Die Protagonisten des Films, die zuvor die Scores von Kaprow übermittelt bekamen, spielen einige Handlungen durch, bei denen sie sich z. B. durchs Telefon oder die Aufzeichnungen eines Tonbandes ihren Pulsschlag messen, sie treffen sich im Treppenhaus und ermitteln durch Nasezuhalten im Kontakt mit dem Gegenüber die mögliche Dauer des Luftanhaltens. Für Kaprow sind die eigene Erfahrung und der interaktive Aspekt menschlicher Lebensäußerungen ein großes künstlerisches Anliegen.


Lawrence Weiner
1942 geboren in New York/USA

A SECOND QUARTER, 1975, 16mm, 85 Min.

Das Werk von Lawrence Weiner besteht überwiegend aus Sprachskulpturen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Barrieren der Verständigung sind das eigentliche Thema des Films, der keine narrativ durchlaufende Handlung besitzt. Wie in den Sprachskulpturen auch, gibt es einerseits die Ebene der szenischen Bilder und auf der anderen Ebene die möglichen Relationen zwischen den handelnden Personen, Spielorten und dargestellten Tätigkeiten.



Dokumentationen
Die Kunstrichtung Fluxus, die in New York und Europa um 1960 entstanden, entwickelte sich rasch zu einer internationalen Kunstbewegung, die eng mit Happening und allen prozessorientierten Kunstäußerungen verbunden ist. George Maciunas, der rastlose Organisator vieler Fluxus-Events, hat den Begriff geprägt. Unter diesem Dach finden sich zahlreiche vollkommen individualistische Künstler, die in gemeinsamen Konzerten, Ausstellungen, Büchern, Filmen und Videos, Performances etc. an neuen, die traditionellen Gattungsgrenzen überschreitenden Formen der Kunst arbeiten.
Die Teilnehmer der beiden Dokumentationen waren in den 70er und 80er Jahren beinahe alle als Gäste des DAAD in Berlin. Viele von ihnen blieben in Berlin oder der Stadt zumindest verbunden. Sie befruchteten die Kunstszene kreativ und mit weitreichenden Folgen. Galeriegründungen, Musikreihen, Festivals, Ausstellungen usw. - Berlin war eines der internationalen Fluxus-Zentren, was die Stadt bis heute prägt.


Flux-Cembalo-Konzert 1976, 27.Min.
Das Flux-Cembalo-Konzert ist die Aufzeichnung einer Veranstaltung der Galerie René Block im Studio der Akademie der Künste am Hanseatenweg im Rahmen der Berliner Festwochen 1976. Thema dieses Konzertes waren Fluxus-Stücke für Cembalo von Ben Vautier, George Brecht, Gerorge Maciunas, La Monte Yong, Larry Miller, Yasumao Tone, Nam June Paik, Bob Watts, Dick Higgins, Joe Jones, Anne Vautier, Robert Filliou und Yoshimasa Wada. Ausführende waren die Künstler selbst.


The Misfits-Thirty Years of Fluxus
Dokumentation von Lars Movin, 1993, 80 Min.

U.a. mit Ay-O, Eric Anderson, Joseph Beuys, John Cage, Philip Corner, Henry Flynt, Ken Friedmann, Geoffrey Hendricks, John Hendricks, Dick Higgins, Alison Knowles, Jackson McLow, George Maciunas, Jonas Mekas, Larry Miller, Charlotte Mooreman, Yoko Ono, Nam June Paik, Ben Patterson, Wilem de Ridder, Ben Vautier, Emmett Williams, LaMonte Young. Das Videoporträt der Fluxus-Bewegung anlässlich des großen Fluxus-Treffens auf der Biennale Venedig 1990 basiert auf Interviews mit den dort versammelten Künstlern und auf Originalaufnahmen von Aktionen und Happenings aus den 60er und 70er Jahren.



Filme
Film wurde als eigenständige Sparte erst 1974 in das Berliner Künstlerprogramm übernommen und in den ersten Jahren - ebenso wie Video - von der Bildenden Kunst betreut. In die Ausstellung sind zwei filmische Arbeiten integriert, die kurz nach der Wiedervereinigung entstanden sind und die damalige Situation reflektieren.


Richard Hamilton
o.T., 1969, 25 Min


Dan Eisenberg
1954 geboren in Israel

Persistence, 1997, 16mm, Farbe, 86 Min.

Der Film „Persistence“ (Beharren) wurde an Berliner Schauplätzen gedreht und mit Filmaufnahmen aus dem Archiv des Verteidigungsministeriums aus den Jahren 1945-1946 zusammengeschnitten. Eingefügt sind Zitate aus dem ebenfalls 1946 gedrehten Film „Germania: Anno Zero“(Deutschland im Jahre Null) von Rosselini.
Einträge in Notizbücher von Max Frisch, Stig Dagerman, Janet Flanner und Dan Eisenberg selbst, sind in den Film als Zitate integriert.
Der Film versucht herauszuarbeiten, wie in Deutschland kurz nach der Wende mit der eigenen Geschichte umgegangen, wie die offizielle nationale Einheit erlebt wird und die verschiedenen Erinnerungen und Traumata bewältigt werden. „Das Problem … ist psychologischer Natur, und ob die nationale Vorstellung, deutsch zu sein, als Bürger, als Nation, einen neuen Stellenwert einnehmen kann - vielleicht ist das in letzter Konsequenz ein europäisches Problem, bei dem Deutschland aus historischer Notwendigkeit vorangehen muss“ (Dan Eisenberg).


Shelly Silver
1957 geboren in New York/USA

Former East/Former West, 1994, 62 Min.

In Interviews mit verschiedenen Personen aus Berlin geht Shelly Silver der Frage nach, wie sich eine Nation bildet und woher ihr Selbstverständnis kommt. Da jahrzehntelang in Ost- und Westdeutschland höchst unterschiedliche Lebensbedingungen herrschten und Ideologien das tägliche Leben prägten, hinterfragt der Film die Funktion einer gemeinsamen Sprache und der Definition fundamentaler Begriffe, wie Freiheit, Demokratie, Kapitalismus usw. Aus der Erfahrung ihres Berliner Aufenthaltes drängte sich die Frage auf, „…was die beiden Staaten eigentlich, abgesehen von der Sprache, gemeinsam haben. Weshalb haben sich diese beiden Staaten entschieden, wieder ein Staat zu werden…?“ (Shelly Silver).




Die Ausstellung

Begleitprogramm
(Torgespräche, Lesungen)

Internationale Schriftstellerkonferenz
(25. – 26. Oktober)



Ansprechpartner
für die Ausstellung:

Janet Alvarado
Tel: 22633016
janet.alvarado@
stiftungbrandenburgertor.de

für die Konferenz:
Anja Geiger
Tel: 22633027

anja.geiger@
stiftungbrandenburgertor.de


Information/Anmeldung Begleitprogramm:
Tel: 22633017

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