Die Pubertät hält für Jugendliche ebenso viele Herausforderungen an sie selbst, wie auch an die Lehrerinnen und Lehrer bereit, denen es obliegt, in dieser labilen Lebensphase den 13 bis 15-Jährigen die vorgesehenen Lerncurricula im schulischen Alltag zu vermitteln. Häufig lässt sich eine hohe Schulunlust bei den Jugendlichen beobachten, die sich zu einem Großteil durch ein fehlendes Angebot an positiven Aktivitäten und altersgerechten Herausforderungen erklären lässt. In der heutigen Schule und der überwiegenden Form des Unterrichts in der Sekundarstufe I wird den Jugendlichen zu wenig Eigenverantwortung zugemutet. Hartmut von Hentig hat unter anderem deshalb in seinem Buch „Bewährung – Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“ eine „Entschulung“ vor allem der Jahrgänge 7 und 8 vorgeschlagen, um in praktischen Projekten motivierend auf die Schüler einzuwirken. Denn es zeigt sich, dass die Jugendlichen in geeigneten Gelegenheiten nach größerer Selbständigkeit streben und Verantwortung für Gemeinschaftsaufgaben übernehmen möchten. Eine wirkliche Herausforderung sollen dabei praktische Projekte darstellen, die jedoch gleichzeitig einer konzeptuellen Rahmung und der Anbindung an die Curricula der betroffenen Jahrgänge bedürfen.
Die Stiftung Brandenburger Tor fördert das an der Montessori Schule in Potsdam initiierte Projekt „Landbauprojekt Schlänitzsee“ unter dem Titel „Statt Schule – im Leben lernen“ seit 2009. Die Heinrich-von-Stephan Oberschule Berlin kooperiert mit der Potsdamer Schule.
Am Schlänitzsee, nördlich von Potsdam, wurde ein Gelände gepachtet, auf dem die beiden Schulen gemeinsam Unterrichtsprojekte planen und durchführen. Dies kann die Bewirtschaftung von Land sein, die Wiederherstellung von Gebäuden, der verantwortliche Umgang mit Tieren und Pflanzen, etc. Ein wesentliches Ziel der Förderung durch die Stiftung ist die Erarbeitung einer curricularen Struktur für die praktischen Projekte; auf ihrer Grundlage sollen fachbezogenen Lernanlässe aus der Arbeit auf dem Grundstück identifiziert und mit den Rahmenplänen der 7. und 8. Jahrgangsstufe verbunden werden. Schließlich sollen die Erfahrungen der beiden Schulen verallgemeinert und auch für weitere interessierte Schulen zugänglich gemacht werden. Die praktische Arbeit vor Ort wird in regelmäßigen Veranstaltungen der Stiftung im Max Liebermann Haus vorgestellt. Die Stiftung knüpft mit dieser Förderung an vorangegangene Projekte im Bereich Bildung und Erziehung wie „Schulen übernehmen Verantwortung“ (2006 – 2010) und „Jugend übernimmt Verantwortung“ (1998-2005) an.




